Jesse-Orgel

Moritzkirche in Halberstadt

1785-1887 B. J. Ch. Jesse, Organist und Orgelbauer (Halberstadt)

Die Jesse-Orgel in der Halberstädter Moritzkirche ist ein Geschichtsbuch des Halberstädter Orgelbaus. Die Orgel wurde in den Jahren 1785-1787 durch den Halberstädter Orgelbauer Christoph Jesse erbaut und danach durch viele Halberstädter Orgelbauer technisch auf den neusten Stand gebracht. Hier nun ein Überblick, welche Veränderungen im Laufe der Zeit vorgenommen wurden.

In dieser Zeit wurde die Orgel erbaut und 1887 eingeweiht. Vermutlich wurden Register aus der Vorgängerorgel von Compenius wieder verwendet. Bis heute sind noch verschiedene Jesse-Originalteile in der Orgel vorhanden: Gehäuse einschließlich Schnitzerreien, Pedalwindlade, Windlade im Oberwerk, Teile des Pfeifenwerkes, vollständiges Wellenbrett im Pedal und Oberwerk und Fragmente des Wellenbrettes vom Hauptwerk

 

DISPOSITION

Die weitere Geschichte der Jesseorgel in der Moritzkirche

1861/62, Bergen, Orgelbauer (Halberstadt)

In den Jahren 1861/62 wurden umfangreiche Umbauarbeiten durch den Orgelbauer Bergen vorgenommen. Der Tonumfang der Manuale wurde von C-d''' auf C-f''' erweitert. Dadurch war es erforderlich, dass die Ton- und Registermechanik einschließlich der Klaviaturen entsprechend den neuen Windladen grundsätzlich umgebaut bzw. neu angefertigt werden mussten. Man verzichtete sogar zu Gunsten der neuen Windladen mit chromatischem Tonablauf auf den vorzüglichen Klang der im Prospekt stehenden originalen Principal 8' - Pfeifen. In der Orgel sind heute noch folgende Bergen-Bestandteile vorhanden: Die Windladen des Hauptwerkes, die gesamte Ton- und Registertraktur, der Mehrfaltenmagazinbelag und Teile des Pfeifenwerkes.

1886-1912

Durch den Halberstädter Orgelbauer Eduard Hülle wurden verschiedene Dispositionsveränderungen vorgenommen.

1917

Die Prospektpfeifen wurden wegen des hohen Zinngehaltes zum "kriegswichtigen Material" erklärt und eingeschmolzen. An deren Stelle wurden billige Zinkpfeifen als stumme Pfeifen eingebaut.

1937-1960, Paland & Sohnle (Halberstadt)

Durch die Orgelbauer Paland und Sohnle wurde die Disposition teilweise in Richtung des Jesse-Originals zurückgeführt. Weiterhin wurde das Pedal um die Mixtur-3fach erweitert. Der starke Holzwurmbefall in der Hauptwerkswindlade wurde zwar zur Kenntnis genommen, führte aber nicht zu konkreten Maßnahmen. Schließlich wurde noch das ursprüngliche Register "Flauto travers 8' " im Oberwerk gegen das aus minderwertigem Material bestehende Zinkregister "Salicional 8' " ausgetauscht.

1974

Aufgrund von Renovierungsarbeiten in der Kirche wurde das Pfeifenwerk des Oberwerkes von Laien unsachgemäß ausgelagert, so dass an den Pfeifen ein hoher Sachschaden entstanden ist. Aus diesem Grund kann nur noch ein Teil der Pfeifen verwendet werden.